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Accenture Studie: Die Pandemie vertieft die digitale Kluft

Technologie hat sich in der Bewältigung der COVID-19-Pandemie als unabdingbar gezeigt: Sie hilft uns, die aktuellen Herausforderungen unserer Gesundheitssysteme zu stemmen und unsere Sicherheit zu gewährleisten. Gleichzeitig ermöglicht sie veränderte Arbeits- und Geschäftsmethoden, schafft neue Arten der Interaktionen und Erfahrungen. Bereits heute ist die Realität unserer Wirtschaft nachhaltig auf allen Ebenen durch Technologie beeinflusst und sind Führungskräfte dadurch befähigt, den Wandel und die Zukunft ihrer Branche aktiv mitzugestalten. Zu diesen Ergebnissen kommt die „Technology Vision 2021“ des Beratungsunternehmens Accenture. Im Rahmen der Studie wurden weltweit über 6.200 Führungskräfte aus der Wirtschafts- und Technologiebranche befragt, davon knapp 360 in Deutschland.

Laut Studie mit dem Titel „Vorreiter gesucht: Wie die Meister des Wandels den Moment für sich nutzen“ haben führende Unternehmen begonnen, ihre Jahrzehnte umspannenden Transformationspläne zu beschleunigen und auf zwei bis drei Jahre zu verkürzen. Die Voraussetzung dafür ist der Aufbau eines Neuen Digitalen Kerns. Mit diesem gelingt es Unternehmen, sich nicht nur in Rekordgeschwindigkeit an neue Entwicklungen anzupassen und Innovationen hervorzubringen. Er rüstet Unternehmen außerdem für Herausforderungen wie die COVID-19-Pandemie. Technologieführer verzeichnen heute einen fünfmal schneller wachsenden Umsatz als die Nachzügler. Zwischen 2015 und 2018 war ihr Wachstum nur doppelt so schnell. Die Folge: Zahlreiche Unternehmen wetteifern darum, sich neu zu erfinden und ihre gegenwärtige Situation mittels technologischer Innovationen zu gestalten.

„Die Pandemie hat die ganze Welt vor nie dagewesene Herausforderungen gestellt. Viele Unternehmen und Organisationen haben in dieser Zeit neue Technologien für sich entdeckt und gelernt, diese zu ihrem Vorteil einzusetzen – und das in einem Tempo, das sie sich nicht hätten vorstellen können. Andere hingegen sahen sich mit der harten Realität konfrontiert, dass ihnen die digitale Grundlage fehlt, die für eine schnelle Umstellung erforderlich wäre“, fasst Paul Daugherty, Konzernvorstand für Technologie und Chief Technology Officer bei Accenture, die Studie zusammen. „Jetzt gilt es, diese Erkenntnisse und die Kraft des exponentiellen technologischen Wandels zu nutzen, um die Zukunft zu gestalten.“

Führende Unternehmen haben begonnen, ihre Jahrzehnte umspannenden Transformationspläne zu beschleunigen und auf zwei bis drei Jahre zu verkürzen. Die Voraussetzung dafür ist der Aufbau eines Neuen Digitalen Kerns. copyright John Deere

92 Prozent der Befragten (in Deutschland 90 Prozent) gaben an, dass Innovation in ihrem Unternehmen in diesem Jahr an erster Stelle steht. Darüber hinaus sind 91 Prozent der weltweiten Führungskräfte (89 Prozent der deutschen) der Meinung, dass ihr Unternehmen den Markt von morgen mitgestalten muss, wenn es ihn erobern will. Dafür müssen Unternehmen zu „Meistern des Wandels“ werden und drei Punkte beachten. Erstens: Führung und Technologie gehören zusammen. In einer Zeit permanenten Wandels haben diejenigen Erfolg, die den Einsatz von Technologie ins Zentrum ihrer Geschäftsstrategie stellen. Zweitens können Führungskräfte nicht länger auf veränderte Begebenheiten warten. Sie müssen sie selbst schaffen, indem sie ihre Vorgehens- und Denkweise radikal ändern. Und schließlich müssen Führungskräfte sich ihrer Verantwortung bewusst werden. Es gilt, Technologien so zu gestalten und anzuwenden, dass diese sich positiv auf eine nachhaltigere und integrativere Welt auswirken.

Die Studie identifiziert fünf Schlüsseltrends für die nächsten drei Jahre:

  • Ein Neuer Digitaler Kern für eine bessere Zukunft – Unternehmen konkurrieren zunehmend um ihre Technologiearchitekturen. Die wettbewerbsfähigste Infrastruktur aufzubauen erfordert einen neuen Blickwinkel. Denn Geschäfts- und Technologiestrategien sind untrennbar miteinander verknüpft – und sogar ununterscheidbar. 89 Prozent der Führungskräfte (in Deutschland 90) sind der Meinung, dass die Fähigkeit ihres Unternehmens, geschäftlichen Mehrwert zu generieren, zunehmend von den Grenzen und Möglichkeiten der eingesetzten Technologiearchitektur abhängt.
  • Gespiegelte Welt – Führende Unternehmen erstellen intelligente, digitale Zwillinge, um geradezu lebendige Modelle von Fabriken, Lieferketten und Produktlebenszyklen abzubilden. Die Verschmelzung von Daten und Intelligenz eröffnet neue Möglichkeiten für Betrieb, Zusammenarbeit und Innovation. 65 Prozent der weltweit befragten Führungskräfte (jedoch nur 46 Prozent der deutschen) erwarten, dass die Investitionen ihres Unternehmens in intelligente, digitale Zwillinge in den nächsten drei Jahren steigen.
  • Ich, der Technologe/Ich, die Technologin – Alle Mitarbeitenden können Innovation schaffen, ihre Arbeit optimieren und Probleme beheben. Dadurch sorgen Mitarbeitende selbst dafür, dass ihr Unternehmen mit neuen und sich ändernden Anforderungen Schritt halten kann. 88 Prozent der Führungskräfte (in Deutschland 85 Prozent) sind der Meinung, dass die Demokratisierung der Technologie entscheidend ist, um Innovationen in ihrem Unternehmen voranzutreiben.   
  • Immer und überall – Das „Bring Your Own Environment“ [zu Deutsch: „Bringen Sie Ihre eigene (Arbeits-)Umgebung mit“] hat in vielen Unternehmen zu einer beispiellosen Flexibilität geführt. Mitarbeitende haben die Freiheit, nahtlos von überall aus zu arbeiten – sei es zu Hause, im Büro oder am Flughafen. Innerhalb dieses Modells können Führungskräfte den Zweck der Arbeit an jedem Standort neu überdenken und die Chance nutzen, ihr Unternehmen in dieser neuen Gegenwart zu gestalten. 81 Pro-zent der Entscheider (abweichend davon lediglich 69 Prozent in Deutschland) sind sich einig, dass führende Unternehmen in ihrer Branche künftig von einem „Bring Your Own Device“- zu einem „Bring Your Own Environment“-Ansatz übergehen.
  • Vom Mir zum Wir – Die Notwendigkeit der Nachverfolgbarkeit von Kontakten, reibungslose Zahlungsvorgänge und neue Arten des Vertrauensaufbaus haben verdeutlicht, was in bestehenden Ökosystemen von Unternehmen fehlt. Durch Multi-Party-Systeme können Unternehmen größere Widerstandsfähigkeit und Anpassungsfähigkeit erlangen, neue Märkte erschließen und zukunftsweisende Maßstäbe für ihre Branche setzen. 90 Prozent der befragten Führungskräfte (in Deutschland 88) gaben an, dass Multi-Party-Systeme ihre Ökosysteme künftig resilienter und anpassungsfähiger machen und Partnern dabei helfen, neue Werte zu schaffen.

Die Ergebnisse der Studie machen deutlich, dass die Priorisierung technologischer Innovationen noch nie so wichtig war wie in diesen disruptiven Zeiten. Beispiel Gastronomiebranche: 60 Prozent der Restaurants, die im Juli 2020 als „vorübergehend geschlossen“ gelistet waren, mussten ihren Geschäftsbetrieb bereits im September endgültig einstellen. Starbucks hingegen konnte sich dank Technologieeinsatz als Branchenführer hervortun. Bis August verzeichnete die Starbucks-App drei Millionen neue Nutzer. 90 Prozent des Umsatzes haben sich auf mobile Bestellungen und die Abholung am Drive-in verlagert. Aufgrund der steigenden Nachfrage hat das Unternehmen ein integriertes Ticket-Management-System eingeführt. Dieses kombiniert die Bestellungen aus der App von UberEats mit denen von Drive-Thru-Kunden in einem einzigen Arbeitsablauf für die Baristas. Außerdem hat Starbucks eine neue Espresso-Maschine mit Sensoren eingeführt, um zu verfolgen, wie viel Kaffee die Mitarbeitenden ausschenken. Dadurch ließen sich notwendige Wartungsarbeiten vorhersagen. Das Beispiel zeigt, wie Technologie im Kern der agilen, resilienten und erfolgreichen Reaktion eines Unternehmens auf Veränderungen steckt.

Mit der Technology Vision beobachtet Accenture seit über 20 Jahren systematisch die Unternehmenslandschaft, um aufkommende Technologietrends zu identifizieren. Weitere Informationen zur diesjährigen Studie finden Sie unter www.accenture.com/technologyvision