Samson-Fachhändler sehen Wettbewerbsverzerrung

Die Pumptankwagen von Samson wurden nicht in die Positivliste für das „Investitionsprogramm Landwirtschaft“ aufgenommen. Nun machen auch dessen Fachhandelsbetriebe ihre Kritik deutlich.

Laut einem offiziellen Merkblatt des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), das Anfang Februar veröffentlich wurde, werden durch das „Investitionsprogramm Landwirtschaft“ nur Pumptankwagen mit Volumenstrompumpen wie Exzenterschnecken- oder Drehkolbenpumpe – aber keine Kreisel- oder Vakuumpumpen – gefördert. Folglich wurden die Pumptankwagen von Samson Agro nicht in die Positivliste aufgenommen, was der Hersteller massiv kritisiert. Nun melden sich auch dessen Vertriebspartner zu Wort.

Hohe Anforderungen seitens der Kundschaft

Einer dieser Händler ist die Claas Weser Ems. Der Fachhandelsbetrieb habe viele Lohnunternehmen im Kundenkreis, die umfassende Anforderungen an Landtechnik und Gülletechnik stellen, erklärte Ingo Ordel (Geschäftsführer der Claas Weser Ems). Das Unternehmen spricht von „Wettbewerbsverzerrungen“, da Samson-Güllewagen vom „Investitionsprogramm Landwirtschaft“ ausgeschlossen wurden.

Ingo Ordel ist Geschäftsführer der Claas Weser Ems.

„Wir sind seit sechs Jahren Samson-Händler. Wir haben die Güllewagen von Samson für unser Sortiment gewählt, weil Samson ein zukunftssicheres Premium-Produkt liefert. Die Technik von Samson ist robust, zuverlässig, verschleißarm und weist hohe Leistung auf. Außerdem ist die hohe Ausbringmengengenauigkeit – also die sehr genaue Dosierung und Ausbringung der Nährstoffe – für uns und unsere Kunden sehr wichtig. Dass Samson auch die passende Einarbeitungsgeräte zu den Güllewagen liefert und wir damit alles aus einer Hand haben, ist ein zusätzliches Plus.“ Als Landtechnikhändler habe auch die Claas Weser Ems in das „Investitionsprogramm Landwirtschaft“ hohe Erwartungen gesetzt, heißt es in einer Pressemeldung von Samson Agro. Die Verkaufsberater der Firma hätten sich zusammen mit Landwirten und Lohnunternehmen in dessen Gebiet in Niedersachsen gut vorbereitet.

Kritik am Prozess

Ingo Ordel weiter: „Wir haben schon, als das Programm erstmals veröffentlicht wurde, viele Anfragen gehabt. Es gab unter unseren Kunden eine Menge Unsicherheit – aber sie waren sicher, dass es die Förderung gibt und wussten, wie diese zu beantragen ist. Wir haben folglich sehr viel Arbeit investiert und extrem viele Angebote für Güllewagen und -Technik geschrieben.“ Als die erste Positivliste des BMEL dann Ende 2020 erschien, wäre man bei der Claas Weser Ems überrascht gewesen, dass ihr Lieferant nicht mit den entsprechenden Güllewagen auf der Liste zu finden gewesen sei. „Allerdings sollte die Liste laut BMEL ja noch aktualisiert werden. Wir haben deswegen weiterhin Mengen von Angeboten geschrieben. Weder wir noch unsere Kunden haben es glauben können, dass Samson kein Teil dieses Programms sein wird. Als die ersten Antragsstellungen am 11. Januar 2021 dann in chaotischer Weise ohne Samson Güllewagen losgingen, waren wir total überrascht“, so Ingo Ordel.

Das ganze System betrachten

Im Gespräch mit AGRARTECHNIK erklärte Torben Larsen (Vertriebs- und Marketingleiter von Samson Agro): „In unserem Heimatmarkt Dänemark haben wir seit 20 Jahren Vorschriften auf jenem Niveau, das nun für Deutschland gilt. Unsere Produkte sind unter diesen Vorgaben entstanden und haben folglich in den vergangenen Jahren auch in Deutschland regelmäßige Wachstumsraten von über 20 Prozent erbracht. Und nun soll diese ausgereifte Technik nicht gut genug für Deutschland sein?“ Tatsache sei doch, so Torben Larsen weiter, dass es nicht die Pumpe sei, sondern das ganze Aufbringsystem, das einen Gülletankwagen umweltschonend mache. Und hierbei biete Samson eine sehr hochwertige Technik. Die ablehnende Haltung des BMEL sei folglich nicht nur eine Notlage für Samson Agro, sondern auch für die Händlerschaft. Dem stimmt Ingo Ordel zu: „Das Ergebnis ist jetzt, dass sich unsere Kunden nach anderen – förderfähigen – Marken umschauen. Manchmal eine schlechtere Lösung als die, die wir hätten anbieten können. Ich sehe das als Wettbewerbsverzerrung. Wir müssen auf zwei Drittel unserer Gülletechnikkunden in diesem Segment wegen diesem Programm verzichten. Ein Drittel können wir – wahrscheinlich – halten, weil die Kunden sich trotzdem einen Samson-Pumptankwagen kaufen – mit oder ohne öffentliche Förderung. Es ist aus unserer Sicht sehr problematisch, dass nur einige Güllewagen bestimmter Anbieter als förderfähig beurteilt worden sind.“